Einfach machen statt diskutieren! Sagte schon Che Guevara. Und Lenin, Und Jesus. (Predigt von heute)

Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Ja, wer ist denn mein Nächster? Mein Partner, meine Kinder? Natürlich. Die  Eltern und Geschwister. Die liebe ich, um die kümmere ich mich. Sonst noch jemand? Vielleicht mein Sitznachbar in der Schule, im Büro? Die Nachbarn in der Straße? Alle Lemgoer, alle Deutschen? Und die Ausländer? Alle die ich mag? Und die ich nicht mag auch? Die Christen in Ägypten, denen man die Kirche zerbombt hat? Herr Wong und alle die in Hongkong für ihre Freiheit kämpfen? Die Indianer in Brasilien, die man vertreibt und ihre Wälder anzündet?

„Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen.“ Che Guevara. Geht das nicht ein bisschen weit? Soll ich mir alles Leid der Welt zu Herzen nehmen? Das macht einen ja verrückt! Und soll ich meines Bruders Hüter sein? Manche nutzen das ja aus, lassen sich viel zu sehr helfen, statt selber in die Puschen zu kommen.  Andere opfern sich auf und gehen dabei kaputt. Den Nächsten lieben wie sich selbst. Das geht ja nur, wenn ich  mich selbst tatsächlich liebe. Das fällt manchmal schwer. Ich mach doch so vieles falsch und eigentlich nichts gut genug. Andererseits bin ich mir meistens selbst der nächste und danach kommt erst Mal lange nichts. Ich bin ja so arm. Jetzt bin ich erst mal dran! Untern Strich zähl ich. Oder ich finde rundum mich toll, da kommt keiner ran. Und nun noch dies: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben – von ganzen Herzen. Von ganzer Seele. Und mit all deiner Kraft. Und deinem ganzen Gemüt. Puh, wie soll das gehen? Gott lieben ja, er meint es gut mit mir, deshalb mag ich ihn. Aber wenn es mal schlecht läuft? Und ich lass auch gern mal den lieben Gott einen guten Mann sein und denke nicht ständig an ihn. Also, wie kriegt man das auf die Reihe, in richtige Verhältnis, sich selbst lieben und den Nächsten und Gott ?

Meister, fragt einer Jesus, was muss ich tun, um das ewige Leben zu ererben? Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Man kann auch fragen: Was muss ich tun, damit ich vor Gott bestehen kann? Was erwartet er von mir? Was steht im Gesetz geschrieben?, fragt Jesus zurück. Der Schriftgelehrte gibt die Antwort, die jedes Kind weiß zu seiner Zeit:Das höchste Gebot ist dies: Gott lieben mit aller Kraft und Deinen Nächsten wie dich selbst. Na siehst du, sagt Jesus: Du weißt es doch, was Gott von dir erwartet. Was fragst du da?

Na siehst du, sagt Jesus dir und mir heute morgen. Was fragst du? Diskutierst und sinnierst herum, stellst endlos Fragen. Du weißt ganz gut, was von dir erwartet wird. Deine Familie lieben und deine Mitbürger. Die Deutschen und die Ausländer. Und auch die fernen Nächsten sollen Dir nicht egal sein. Herr Wong in Hongkong und die Indios und die Christen in Ägypten sollen dir natürlich nicht egal sein! 

Aber, aber meldet sich gleich der Widerspruch, wie soll das gehen? Aber, aber meldet sich der Schriftgelehrte:  Wer ist denn mein Nächster?   Pass auf, sagt Jesus. Ich erzähl dir eine Geschichte. Denn die Wahrheit ist immer konkret. Wladimir Iljitsch Lenin. Ein Mann fiel unter die Räuber und blieb halbtot liegen. Ein Priester kommt vorbei. Der liebt Gott. Deshalb geht er weiter. Wenn er Blut anfasst, wird er unrein für den ganzen Tag und kann nicht seinen Priesterdienst im Tempel tun. Ein Levi, ein Tempeldiener kommt des Weges. Der liebt sich selbst. Er hat Angst vor den Räubern. Da könnten ja noch welche im Hinterhalt liegen und der Verletzte wäre ihr Lockvogel, eine Falle. Schnell weiter. Sicherheit geht vor. Die beiden haben das nicht gut in Balance gebracht – Gott lieben und sich selbst und den Nächsten.

Nun kommt der Samariter. Der macht es richtig: Bleibt stehen, lange genug, um Mitgefühl zu bekommen. Er vergisst eine Weile sich selbst und Gott und was er eigentlich vorhat und kümmert sich. Lässt sich aufhalten. Aber auch nicht unendlich. Er möchte dann weiter. Darf er auch, taugt trotzdem als gutes Beispiel. Er beauftragt den Gastwirt, den Verletzten zu pflegen. Er zahlt dafür und er kann es sich anscheinend leisten, es bringt ihn nicht um. Wenn es mehr kostet, so will ich dir´s geben, wenn ich wiederkomme. Er guckt dann auch noch mal nach, ob es gut läuft.

Also, wer ist denn nun mein Nächster?  Jesus sagt es mit einer Geschichte, denn die Wahrheit ist immer konkret.Ok Jesus, ich glaube, ich habe verstanden. Ich sag´s mal so: Dein Nächster ist der eine oder die eine, die die gerade vor dir vom Fahrrad stürzt.  Der in Deiner Küche in Tränen ausbricht. Der für einen Moment dein Ohr braucht, deinen Arm. Oder dass du seinen Deckel zahlst.  Du brauchst nicht dein Leben aufgeben und alle deine Ziele. Aber dich ein wenig aufhalten lassen und anrühren. Dich kümmern. Soviel Zeit muss sein, Auch gucken, wer außer dir weiter helfen kann. Delegieren, überweisen. Dafür sorgen, dass gesorgt ist. Und dann kannst Du deiner Wege gehen und tun, was du dir vorgenommen hast. Und bei Gelegenheit nachfragen, nach dem Rechten schauen.Stimmt´s, Jesus? Ich glaube, ich habe verstanden. Ja, sagt Jesus: Alles richtig. Aber die Pointe hast Du noch nicht verstanden. Wer ist denn wohl für den Verletzten der Nächste?

Na ja, sagt der Schriftgelehrte, bestimmt nicht die, die vorbeigingen. Der, der zu ihm kam und ihm geholfen hat. Genau!, sagt Jesus. Den hat er geliebt, seinen Retter. Das ist ihm gewiss nicht schwergefallen und er hat sich selbst dabei geliebt. Das ist die Pointe der Geschichte: Du musst nicht immer Samariter sein. Du darfst auch mal vom Fahrrad fallen und es erleben, wie dir einer hilft. Du darfst auch mal der sein, der in Tränen ausbricht und sein Herz ausschüttet und der knapp bei Kasse ist. Und einen finden, dir auf die Beine hilft, ein Ohr leiht, dich tröstet, dich einlädt und aushält. Du musst dich dann nicht schämen, sondern ihn einfach lieben. Deinen Nächsten, deinen Freund und Helfer. Und ihm von Herzen dankbar sein. Ihn lieben wie dich selbst. Und zugleich Gott. Der schickt dir diesen Engel. Ihn lieben aus vollem Herzen. Danke, lieber Gott!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.