Ein Gänseblümchen für den Heiligen Geist – mein Wort zum Pfingstsonntag

Als ich 16 Jahre alt war und zum ersten Mal verliebt, da wusste ich überhaupt nicht, wie das geht mit der Liebe. Wie ein Mädchen ansprechen und mit ihr in Kontakt kommen? Voll Sehnsucht hab ich von weitem geschmachtet und nichts unternommen. Nur verzweifelt nach kleinen Zeichen Ausschau gehalten, ob sie sich für mich interessiert. Aber welche Zeichen das sein sollten, wusste ich nicht. Also lag ich weiter allein auf der Sommerwiese. Dann hab ich manchmal die gute alte Methode  gewählt: Ein Gänseblümchen gepflückt und Blütenblatt um Blütenblatt abgezupft. Sie liebt mich – sie liebt mich nicht. Sie liebt mich – sie liebt mich nicht. Das letzte Blättchen gab die Antwort, aber – der habe ich auch nicht getraut. Was weiß schon ein Gänseblümchen von der Liebe? Nicht mehr als ich. Das war bitter-süß und sehr romantisch, aber es ist nichts passiert. Das Mädchen und ich, wir kamen uns nicht näher.

Jesus spricht mit seinen Jüngern am letzten Abend. Nicht vor der Hochzeit, sondern vor der Trennung. Er wird sie verlassen – nicht verliebt, verlobt, verheiratet, sondern: verhaftet, verurteilt, gekreuzigt. Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden, aufgefahren in den Himmel. Weg. Wenn einer gehen muss, ins Ausland, in den Krieg, in die Ewigkeit, dann sollen die Abschiedsworte klar und deutlich sein. Ich liebe dich und werde dich immer lieben. Aber Jesu Abschieds-Worte verwirren mich, wie damals beim Gänseblümchen. „Wer mich liebt,…“ – „Wer aber mich nicht liebt,…“ – „Die Welt wird mich nicht mehr sehen, ihr aber werdet mich sehen.“ – „Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen, die Welt kann ihn nicht empfangen.“

Auf welche Seite gehöre ich? Liebe ich Jesus ? Liebe ich ihn nicht? Ich seh´ ihn vor mir, ja! In all den Bildern in den Kirchen und Kinderbibeln und in all den Geschichten, die ich mir lebhaft ausmale. Aber ihn selbst – lebendig auferstanden, hier gegenwärtig unter uns – das seh ich noch nicht oder doch?  Ja, ich glaube – aber hilf meinem Unglauben! Ich bin mitten drin im Glauben, in Gott. Selbstverständlich, wie die Luft zum Atmen, von Kind auf – aber oft so fern von Gott im Alltag. Da leb ich oft, als wenn es Gott nicht gäbe. Dann hab ich wieder Sehnsucht, schaue aus nach Zeichen und komme ihm doch kein Stück näher. Glaube eher an die Sehnsucht als an ihn selbst. Spirituelle Sehnsucht. Der moderne Mensch hat spirituelle Sehnsucht. Wow. Das ist romantisch, damit kann man Tourismuswerbung machen für Heilige Orte,  alte Kirchen, Klöster. Man kann Säle füllen mit bärtigen Äbten*und Eintritt nehmen für einen guten Zweck.  Soweit – so gut. Aber kommt man damit Gott näher? Er liebt mich – er liebt mich nicht? Orgel  „Nun bitten wir den Heiligen Geist“

In meiner Küche steht ein kleines weißes Radio. Es ist einfach zu bedienen. Anschalten und den Knopf drehen, um den  Sender einzustellen. Manchmal knackt und rauscht es trotzdem. Schlechter Empfang. Dann dreh ich die Antenne oder stell das Radio näher ans Fenster. Bis Musik und die Worte klar und deutlich klingen. Die Welt kann den Heiligen Geist nicht empfangen. Auf welcher Wellenlänge sendet er denn? Die Morgenandacht um 5 vor 7 ? Der Fernsehgottesdienst? Wer für den Fernsehsender Sky extra bezahlt, der sieht die Fußballgötter in der Champions-League. Wenn es das auch für den Heiligen Geist gäbe? Wer Kirchensteuer zahlt, für den wird der Empfang freigeschaltet. Der Sender hieße nicht Sky, sondern Heaven. Das wäre einfach, aber so funktioniert es nicht. Das Empfangsgerät für den Heiligen Geist kann man nicht kaufen, noch zusammenschrauben.

Singen kann jeder, sagen die Musiker. Jeder Mensch hat die Organe dafür. Er muss es nur üben, hören lernen. Glauben kann auch jeder. Schließlich gibt es Religion bei allen Völkern zu allen Zeiten. Auch wenn man das Organ dafür nicht herauspräparieren kann in der Anatomievorlesung. Man kann üben, horchen, lernen. Eine Antenne, ein Gespür entwickeln für den Heiligen Geist. Wo ist der Ort, wo Sie besonders guten Empfang haben? In der Kirche? Im Wald oder am Meer? Auf dem Sofa oder am Küchentisch? Was ist die beste Sendezeit? Früh am Morgen? In einer schlaflosen Nacht? Oder im prallen Leben, wenn ihnen die Kinder um die Füße wuseln? Hören sie Gottes Stimme am deutlichsten in der Stille? In der Musik? Im Gespräch im Bibelkreis? Oder mit einer guten Freundin? Musikalische Früherziehung macht die Musikschule. In der Gemeinde machen wir religiöse Früherziehung. Zum Beispiel wenn eine Klasse der Südschule die Kirche erkundet. Antennen entwickeln für de Heiligen Geist. Beim Tischgebet und vor dem Schlafengehen. Mit Liedern und Gebeten, Bibel und Kerze. Vielleicht auch mit Klangschale und Räucherstäbchen. Fragen sie den bärtigen Abt ihres Vertrauens!

Manche Theologen sagen: Nein, der Mensch ist blind und taub für Gott, er hat kein religiöses Organ. Er sucht Gott und läuft einer Fata Morgana hinterher. Räucherstäbchen – Nebelkerzen. Gott kommt dann, wenn du es am wenigstens erwartest, aus einer Richtung, in die du nicht schaust. Er kommt leise von hinten und setzt dem Mensch einen Kopfhörer auf: Hör mal! Die Bergpredigt gelesen von Rufus Beck. Volker Jänig spielt Johann Sebastian Bach. Und der Mensch so: Wow! Manchmal fließen auch Tränen. Berührt, ergriffen. Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen. Orgel 

Jesus sagt: Wer mich liebt, den wird mein Vater lieben und wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Überraschung! Ich dachte immer, Gott GIBT. Gnade, Segen, täglich Brot. Nein, er nimmt auch, fordert. Was denn? Wohnung. Er wird Wohnung nehmen. Wenn Gäste kommen, sieht man das der Wohnung an. Es ist aufgeräumt und geputzt. Frische Blumen auf dem Tisch und aus der Küche duftet es nach Kuchen. Die Zeit steht im Kalender und ist freigehalten. Der Besuch nimmt etwas: Zeit, und Geld für Essen und Blumen, Aufwand für Putzen, Kochen, sich schön anziehen. Aber er gibt auch: Freude, Lachen, schöne Stunden und eine gute Erinnerung. Mancher Wohnung sieht man es an, dass Gott dort Wohnung genommen hat. Es gibt es einen Platz für ihn. Die Bibel liegt dort, das Gesangbuch, die Losungen. Eine Kerze. Zeit im ist reserviert für den Gast: Stille Zeit am Morgen oder am Abend. Ein Ort, eine Zeit,  um auf Empfang zu gehen, die Antenne auszurichten. Aber was ist eigentlich zu hören, wenn der Empfang gut ist? Der Heilige Geist wird euch an alles erinnern, was  ich euch gesagt habe.

Wissen Sie, was Jesu erste Worte waren am Anfang, als er anfing zu predigen?  „Tut Buße!“ Ändert euer Leben!  Ein unbequemer Gast. Bewundert nicht die Einrichtung und das Essen. Segnet nicht alles ab, sondern: meckert, fordert, mischt sich ein in mein Leben. Puh. Wer hat den nochmal eingeladen? Wer wollte den da haben? Vielleicht kommt er ganz anders, als ich es mir vorstelle. Wenn ich über der Kerze träume, klingelt es vielleicht an der Türe. Wie damals am Weihnachtsabend bei Eben-Ezer Scrooge, in der Geschichte von Charles Dickens. Und Gott hat eine ganz andere Gestalt. Da könnte zum Beispiel ein 16-jähriges Mädchen klingeln, mit starrem Blick und geflochtenen Zöpfen und sagt: Hallo, ich heiße Greta. Ja, ich will zu dir. Wir müssen reden. Wenn ich nur auf dem Sofa sitze und in der Kirchenbank, dann ändert sich nichts. Das ist romantisch und voll bitter-süßer Sehnsucht. Aber es könnte sein, dass Jesus wirklich kommt, um dich mitzunehmen. Steh auf, nimm dein Bett und geh. Folge mir nach. Wenn du sitzen bleibst, kommst du nicht weiter. Das überrascht mich. Aber eigentlich auch nicht. Das war auch schon mit der ersten Liebe so: Erst als ich mein Herz in die Hand nahm, sie ansprach und einlud, da kamen wir uns näher. Und als sie sagte: Ja, ich lieb dich auch, da ging alles erst los. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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