Königs-Casting mit Samuel – die Konfirmationspredigt

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden, alle Augen schauen auf euch! Wie ihr durch den Mittelgang gekommen seid, wie ihr hier vorne sitzt. Und ich glaube, eure Eltern und Großeltern und Familien sind ziemlich stolz auf euch, ihre Augen leuchten. So schick seid ihr in euren Kleidern und Anzügen. So fit, so lebendig, so groß, auf dem besten Weg, erwachsen zu werden. Ja, liebe Eltern und Familien, ein Meilenstein ist erreicht. Da dürfen sie stolz sein auf ihre Kinder und auch auf sich selbst. Sie haben diese Kinder geliebt und für sie gesorgt. Ihnen zu essen gegeben, sie in den Schlaf gewiegt, Fieber gemessen und Kinder-Geburtstag gefeiert. Das ist nichts für Feiglinge! Sie haben Ihnen das Laufen beigebracht und Fahrrad fahren. Sie haben ihnen die Welt erklärt und die binomischen Formeln, jedenfalls solange sie das zuließen. Und das wichtigste: Sie haben an sie geglaubt! Danke liebe Eltern und Familien! Und danke: Gott! Er hat die Hand über sie gehalten, sie beschützt in Gefahr, Mut gemacht in Furcht, Türen geöffnet, Wege gebahnt. Frieden gegeben und Essen und ein Dach über dem Kopf, gute Erzieher und Lehrerinnen, tüchtige Ärzte. Danke, lieber Gott!

Vor zwei Wochen bei der Abschlussfreizeit in Bösingfeld haben wir darüber gesprochen, wie anderswo auf Menschen geschaut wird: Bei „Deutschland sucht den Super-Star“ oder „Germany´s next Top-Model“. Da schaut eine Jury, Kameras und Millionen Fernsehzuschauer auf die Kandidaten. Sie werden oft gnadenlos fertig gemacht und aussortiert.  Keine 10 Pferde würden mich dahin bringen, mir Dieter Bohlens Sprüche abzuholen oder mich von Heidi Klum durch die Shootings peitschen zu lassen.  Manchmal ist das Runtermachen und die peinlichen Auftritte wohl auch inszeniert, um die Zuschauer zu unterhalten. Furchtbar. Vermutlich war von uns hier noch keiner Kandidat in einer Casting-Show. Aber: Jeder kennt das: Dass man beguckt und bewertet wird. Die Schüler bekommen ständig Noten und viele müssen hart arbeiten, um gute oder ausreichende Noten zu bekommen. In jeder Klasse, jeder Firma, jedem Verein gibt es die Leute, die angesagt und beliebt sind. Und die, die als Durchschnitt gelten, normal, ganz ok. Und die, die von der Mehrheit schief angesehen werden. Wir wissen selber ziemlich gut, welches Ansehen wir haben. Das kann durchaus verschieden sein. Bei meinen Freunde, in manchen Kreisen bin ich beliebt und geschätzt. Und dann gibt es Leute und Kreise, die halten nichts von mir. Wir spielen das Spiel auch mit: Wir gucken genau hin, welches Auto einer fährt, wie er wohnt, welche Kleider er trägt und machen daraus unsere Bewertung. Das geht auch gar nicht anders. Wir müssen uns ja irgendwie orientieren. Wie ist der vermutlich drauf, was habe ich von ihm oder ihr zu erwarten? Kann ich mit der oder nicht? Wer ist auf meiner Wellenlänge, kann ich jemandem vertrauen oder muss ich mich hüten? Das Leben ist eine Casting-Show. Wir sind die Kandidaten – und die Jury zugleich.

Samuel geht zum Casting. Er soll einen König casten. Die Jury ist nur er allein und Gott selbst. Der alte König, Saul, hört nicht mehr auf Gott. Er macht Fehler, verliert Schlachten und schafft es nicht mehr, sein Volk zu schützten. Gott will dem Volk Israel einen neuen König geben. So schickt er Samuel, seinen Propheten, los zum Königs-Casting. Nach Bethlehem, zu Isai. Einer seiner Söhne soll es sein. Welcher, das sage ich dir, wenn du da bist! Isai, der stolze Vater, lässt seine sieben Söhne antreten, einen nach dem anderen. Der Älteste fällt gleich positiv auf! Erwachsen, groß, gut aussehend, intelligent – der hat das Zeug zum König, der muss es sein! Denkt Samuel. Aber er ist nicht allein in der Jury. Er muss auch in sich hinein horchen, was Gottes Stimme dazu sagt: Sieh nicht auf sein Aussehen und seinen hohen Wuchs! Ich habe ihn nicht ausgesucht. Der Mensch sieht was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an. Und bei einem König kommt es auf das Herz an.

Also schaut sich Samuel den zweitältesten an. Der hat auch was auf dem Kasten, dann soll der es wohl sein? Nein, sagt ihm Gott, der ist es nicht. Und so geht es weiter beim Dritten und Vierten. Fünften, sechsten und siebten. Jedes Mal sagt Gottes Stimme: Nein, der ist es nicht. Alle sieben Söhne fallen durch beim Königs-Casting.  Das kann nicht sein, sagt Samuel zum Vater. Ich weiß, es ist einer von deinen Söhnen. Hast Du vielleicht noch einen? Na ja, sagt Isai, schon – den David. Aber der ist noch ein Junge, er ist draußen und passt auf die Schafe auf. Der kann es doch nicht sein. David wird geholt. Samuel schaut ihn sich an und hört verwundert Gottes Stimme. Der  ist es, den habe ich ausgesucht. Der soll einmal König sein, wenn er groß ist. Also salbt Samuel ihn zum König mit Salböl. Das war sozusagen die Ernennungsurkunde zum Thronfolger. So ist unser Gott: Er lässt sich nicht beeindrucken und blenden vom Äußeren. Er guckt nicht danach, wer die schönste und klügste ist und wer die beste Figur hat oder die schönsten Augen. Nicht mal der IQ und die Zeugnisnoten interessieren ihn. Gott sieht das Herz an. Das entscheidet. Gott sieht was in einem Menschen steckt, was sonst noch keiner sieht und ahnt. Vielleicht nur eine Mutter die an ihr Kind glaubt und vieles ahnt. Bei Hape Kerkeling war es die Oma, die ihm sagte: Aus dir wird mal was ganz Besonderes. Lass dich nicht beirren, geh deinen Weg. Wohl dem, der  so eine Oma hat. So einen Gott haben wir alle. 

Und dann ging Samuel und verließ die Stadt. Er hatte noch einen Termin woanders. David – wunderte sich und ging wieder Schafe hüten. König konnte er ja noch nicht sein. Das wurde er erst Jahre später. Aber dann war er der beste, legendäre König, den Israel je hatte. David – ein Junge, der die Schafe hütet im besten Konfirmanden-Alter. Dem sah man den König nicht an. Aber Gott wusste, was in ihn steckt, Gott hat an ihn geglaubt. Und es hat sich erfüllt. Liebe Konfirmanden, keiner weiß, was ihr mal werdet. Welchen Beruf ihr ergreift, welchen Partner ihr findet, ob ihr eine Familie gründet. Welches euer Platz im Leben sein wird und wann ihr ihn findet – früher oder später. König können nicht alle werden oder Bundeskanzlerin. Aber ich bin sicher, Gott weiß schon, was in euch steckt. Er kann euch alle gebrauchen, um etwas Gutes auszurichten in der Welt. Ihr könnt lieben, ihr könnt arbeiten und ihr könnt euch am Leben zu freuen. Es ist gar nicht so wichtig, ob ihr an Gott glaubt oder wie sicher und fest ihr glaubt. Wichtig ist, dass Gott an euch glaubt. Er  hat euch das Leben gegeben, weil er an euch glaubt und euch haben will in dieser Welt. Uns fällt das manchmal schwer, an uns zu glauben. Aber einer hat es verstanden. Und das in diesen Psalm geschrieben: Ich danke, dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke und ich bin eines davon. Das sollten wir uns alle an den Spiegel schreiben und dreimal laut sagen, jeden Morgen und jeden Abend, bis wir´s glauben: Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.

Heute, liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden, heute seid Ihr jeder ein König, jede eine Königin. Alle Augen schauen auf euch. Heute wird ein Fest für euch gefeiert, heute werdet ihr überschüttet mit Gold und Silber. Morgen – geht ihr wieder zur Schule, spätestens zur dritten Stunde, lernt Vokabeln und binomische Formeln. Ihr müsst ja noch viel lernen und habt einen weiten Weg vor euch. Geht ihn mit Vertrauen. Gott geht mit. Gott glaubt an euch und wir auch. Ihr werdet einen guten Weg gehen und gute Ziele erreichen. Wir gehen mit, stärken euch den Rücken, zeigen euch den Weg, wo wir es können. Und wenn ihr mehr und mehr eigene Wege ohne uns geht, da vertrauen wir euch. Ihr werdet euren Weg gehen und euren Platz finden. Mit Gottes Hilfe. Amen.

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