Rote Linien – unter Tränen

Paulus schreibt im Brief an die Philipper, Kap. 3 und 4: 17 Ahmt mit mir Christus nach, Brüder und Schwester, und seht auf die, die so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt. 18 Denn viele wandeln so, dass ich euch oft von ihnen gesagt habe, nun aber sage ich’s auch unter Tränen: Sie sind die Feinde des Kreuzes Christi. 19 Ihr Ende ist die Verdammnis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schande; sie sind irdisch gesinnt. 20 Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, 21 der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann. 1 Also, meine lieben Brüder und Schwestern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und meine Krone, steht fest in dem Herrn, ihr Lieben. 2 Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn. 3 Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, steh ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen andern Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen. 

Paulus weiß, wer wo hingehört: Seine lieben Brüder und Schwestern in Philippi und er, sie stehen im Buch des Lebens. Bei Gott stehen sie ganz hoch oben auf der Liste, sie haben ein Bürgerrecht im Himmel, und können sich schon freuen. Wenn Jesus wiederkommt am Ende der Tage, dann werden sie ewig leben. Verwandelt , verherrlicht, durch die Kraft Gottes. Darauf freut Paulus sich, danach sehnt er sich. Da sind auch die anderen. Sie sind Feinde. Ihr Lebenswandel – eine Schande! Ihr Gott ist der Bauch. Sie schauen nicht hinaus über den Tellerrand dieser Erde. Sie sind und bleiben irdisch. Sie erwartet am Ende die Verdammnis. Die Hölle, der ewige Tod.

II Paulus, was machst Du da? Komm mal runter von deinem hohen Ross. Du bist doch schon mal vom Pferd gefallen – vor Damaskus. Da schnaubtest du mit Drohen und Morden gegen die Anhänger Jesu Christi. Und fielst vom Pferd, als er selbst sich dir zeigte. Nun bist du schon wieder obenauf. Diesmal schnaubst du gehen die Feinde Christi, deine ehemaligen Brüder und Schwestern, die Juden. Verdammst sie und schickst sie in die Hölle. Das soll nun das Wahre sein? Pass auf! Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen!

III Zum Fürchten sind christliche Schwestern und Brüder, die genau wissen, wer richtig glaubt. Wer sich bekehrt hat, wer wiedergeboren ist, wer den Wachturm vor sich herträgt. Furchtbar, wenn einer genau weiß, wer verdammt ist, wer falsch lebt, wer falsch liebt, wer Jesus nicht nachfolgt, wer nicht genug in die Kirche geht oder in die falsche. Furchtbar ist, wer sich auf Gottes Thron setzt und an seiner Stelle jüngstes Gericht spielt. Da spiel ich nicht mit. Sein wie Gott – das ist Hochmut vor dem Fall. Jesus warnt davor: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt! Ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge! Also Paulus – komm mal runter vom hohen Ross. Werd Mensch.

IV Aber: Jesus kann auch anders. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern: Das Schwert“, sagt Jesus. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich! Sie werden hingehen, die einen zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben! Paulus und Jesus – beide reißen Gräben auf, ziehen rote Linien. Wir schauen in den Abgrund zwischen Himmel und Hölle. Und niemand kann ihn überwinden.

V Dietrich Bonhoeffer ein deutscher Pastor. Besonnen, abgewogen, kein frommer Eiferer. Aber! Als die Juden den gelben Stern tragen mussten, ihre Geschäfte und Häuser zerstört wurden, ihre Kinder von der Schul emussten und alle ins Frenkelhaus ziehen. Als sie schließlich abtransportiert wurden vom Marktplatz. Da sagte er: Wer jetzt noch Kirchenlieder singt, aber nicht für die Juden schreit, der hat Christus verraten. Wer sich jetzt nicht gegen den Nationalsozialismus stellt, trennt sich vom Heil. Der ist verdammt.

Da ist Greta, ein Teenager aus Schweden. Sie geht Freitags nicht mehr zur Schule. Sie fährt mit dem Zug nach Davos und spricht vor Präsidenten und Diktatoren. Warum soll ich in der Schule für die Zukunft lernen, wenn ihr das Klima der Erde zerstört, die Zukunft der Kinder zerstört. Ihr habt keine Entschuldigung mehr. Ihr wenigen reichen Männer und mächtigen Länder, ihr verratet die Kinder, verratet die Menschheit, betrügen uns um die Zukunft. Weil ihr im Luxus leben wollt und noch reicher werden. Euer Gott ist ist der Bauch. Dafür gibt es keine Entschuldigung.

Dies Jahr ist Kirchentag in Dortmund. Alle Meinungen, alle Parteien und Richtungen reden dort mit auf den Podien, zeigen sich auf dem Markt der Möglichkeiten. Die AfD nicht. Die Leitung des Kirchetages hat eine rote Linie gezogen. Wer so redet, hetzt, mit dem setzen wir uns nicht an einen Tisch. Sie sind die Feinde der Menschlichkeit, der Demokratie, sie sind Feinde Christi. Ihr Ende ist die Verdammnis.

VI Paulus sitzt nicht auf dem hohen Ross. Er sitzt im Gefängnis. Er ist angezeigt worden, verhaftet, geschlagen. Er erwartet das Todesurteil. Er hat Feinde und er hat gekämpft. Er weint viel, weil er machtlos ist. Er sieht, was in der Welt geschieht. Er sucht Halt, festen Stand. Weil sie ihm den Boden unter den Füßen wegziehen. Er ist nicht selbstgerecht, zufrieden. Er sehnt sich nach Erlösung. Er hat in den Abgrund geschaut und ist hineingefallen.

Dietrich Bonhoeffer wurde verhaftet, angeklagt, aufgehängt in den letzten Tagen des Krieges.

Greta ist Autistin. Sie ist nicht Kandidatin bei Deutschland sucht den Superstar, sie drängt nicht uns Rampenlicht. Eine Autistin kann es nur schwer ertragen, unter vielen Leuten zu sein,  im Mittelpunkt zu stehen. Müde und angestrengt kam sie in Davos an nach tagelanger Zugfahrt aus Schweden. Geschlafen hat sie im Zelt im Schnee, ohne Dusche und Heizung. Es hat ihr keinen Spaß gemacht. Sie kann nicht anders. Autisten sehen alles schwarz-weiß. Manchmal verzerrt, manchmal erschreckend klar.Klarer aus die anderen. Jetzt wird sie verdächtigt, ihre Eltern ständen dahinter und wollten sie groß rausbringen. Sie wollte damit Geld verdienen, sie wäre ein unreifes Kind, das besser in die Schule ginge. In der Schule hätte sie es bequemer.

VII Hör auf dein Bauchgefühl! Was sagt es? Mach mal halblang, so schlimm ist es nicht. Ich wird doch nicht den Märtyrer spielen. Ich kann doch nicht die Welt retten. Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Am 30. Mai ist der Weltuntergnag und in 50 Jahren ist alles vorbei. Oder sagt dein Bauch, dein Herz: Wenn ich jetzt die Augen zu mache, mit dem Strom schwimme, wenn ich jetzt nichts dazu sage was da einer neben mir sagt,  verrate ich Jesus. Dann kann ich mir selbst nicht mehr ins Gesicht sehen, geschweige denn den Kindern.

VIII Was würde Jesus tun? „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,5-11) Amen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.