Von Lummerland nach Deutschland im November 2018

Mein Wort zum Sonntag

Kennen sie Lummerland? Das ist eine Insel mit zwei Bergen in dem großen weiten Meer. Als Kind bin ich in Gedanken oft hingereist, wenn ich die Schallplatten dazu hörte oder es bei der Augsburger Puppenkiste im Fernsehen sah. In Lummerland ist alles in Ordnung. Lukas der Lokomotivführer fährt pünktlich nach Fahrplan seine Runden über die Insel. Mit Emma, der Lokomotive. Im Laden von Frau Waas gibt es Lebensmittel und Lederhosen zu kaufen. Herr Ärmel hat ein Fotoatelier und ist ansonsten hauptsächlich Untertan. Oben auf einem der zwei Berge ist das Schloss. Dort sitzt König Alfons der Viertel vor Zwölfte auf dem Thron und telefoniert den ganzen Tag in Schlafrock und Pantoffeln. Es ist gut, Untertan zu sein in Lummerland. Vom König haben sie nichts zu befürchten. Im Gegenteil, es ist für alles gesorgt: Post und Laden und Eisenbahn. Wenn einmal die Landesgrenzen verletzt werden, dann nur, weil das Postboot aus Versehen an den Landungssteg stößt. Das kann man reparieren.

Wir in Deutschland haben keinen König mehr, aber Untertanen sind wir doch. Das merken wir meistens nur, wenn es unangenehm ist. Wenn die Polizei uns blitzt und anhält und 30 Euro Strafe verlangt. Wenn wir uns die Gehaltsmitteilung genau anschauen, wieviele Steuern abgezogen werden! Und die Kirchensteuer auch noch. Wenn die Schule uns zum Gespräch bestellt, weil es bei den Kindern nicht gut läuft. Wenn die Groko sich in Berlin sinnlos streit und anscheinend nichts mehr gebacken kriegt. Wenn die Bundeskanzlerin 1 Million fremde Leute ins Land lässt, ohne sie zu registrieren und zu erklären, wie wir das schaffen sollen. Wenn einige aus ihren Verbrechen begehen, die nicht passiert wären, wenn sie nicht ins Land gekommen wären.

Manche meinen heute, die Regierung, die Obrigkeit hat total versagt. Sie kann uns Untertanen nicht mehr schützen. Das Chaos nicht verhindern. Manche erklären sich nun zu Reichsbürgern. Sie seine keine Untertanen der Bundesrepublik Deutschland mehr. Sie   gehorchen den Gesetzen nicht mehr. Beschaffen sich Waffen und planen die Probleme selbst zu lösen. Die Fremden eben zu töten, ehe sie das deutsche Volk auslöschen. In Amerika hat jemand mit solchen Ideen die Waffe in die Hand genommen und hat in einer Synagoge 11 Menschen erschossen. Er war überzeugt, dass die Juden die Amerikaner gefährden. Bei uns ist die NSU- Terrrorgruppe durch das Land gezogen und hat Ausländer umgebracht.

Und nun Paulus im Römerbrief: Jedermann sei untertan der Obrigkeit. Jedermann gehorche und unterwerfe sich der Regierung, der Polizei, den Gesetzen! Denn: Jede Obrigkeit, die über uns ist, die Macht über uns hat, ist von Gott eingesetzt und handelt in Gottes Auftrag. Wieso das denn?

Was war denn bevor Gott die Welt erschaffen hat, jedenfalls nach den Erzählungen in der Biebl. Vor der Schöpfung war nicht etwa Nichts. Es war alles da. Aber durcheinander. Chaos, Tohuwabohu. Alles vermischt in Schlamm und Meer. Da konnte keine Leben gedeihen! Dann fängt Gott an, zu sortieren und Grenzen zu ziehen: Zwischen Meer und Land, Tag und Nacht, Sommer und Winter. In dieser Ordnung, in den Grenzen konnte Leben entstehen und  gediehen. Auf dem Land Pflanzen und Tiere des Feldes. Im Wasser Fische, Vögel in der Luft. Der Mensch im Garten Eden. Und Gott schuf Regeln: Von allen Bäumen im Garten dürft ihr essen, nur nicht vom Baum der Erkenntnis. Er straft bei Übertretung: Als Adam und Eva von den verbotenen Früchten essen, werden sie verbannt aus dem Paradies. Als Kain den Abel erschlägt heißt es zur Strafe: Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.

Genau das ist die Aufgabe jeder Regierung, von Polizei und Behörden. Von ganz oben an, von Bundeskanzlerin und Ministern über Landesregierung und Landrat, bis unten zu Stadtrat und Bürgermeister und Verwaltung von Lemgo: Für Ordnung sorgen, Einhaltung der Gesetze, alles lebensnotwendige zur Verfügung stellen. Dafür arbeiten Politiker und Beamte. Dafür arbeiten wir und zahlen Steuern. Das ist nicht irgendeine Aufgabe – das ist: Gottes Werk als Schöpfer unterstützen und fortsetzen!

Das kriegen wir heute zu hören von Paulus und vielleicht von Gott selbst. Wir, die wir so gern über die Regierung meckern und die Politiker und den Staat. Das sollen sie hören die Reichsbürger und die anderen selbsternannten Retter des Abendlandes: Unterwirf dich der Regierung und den Gesetzen, denn sie sind von Gott! Sie sind Diener Gottes und tragen das Schwert, die Pistole, das Gesetzbuch. Sie und nicht du. Und komm mal auf den Teppich! Hier ist nicht die Idylle wie in Lummerland. Aber das Abendland geht nicht unter! Es ist immer noch und wird weiter erstaunlich gut gesorgt für Schulen und Polizisten und Straßen und Krankenhäuser. Es gibt Heerscharen von pflichtbewussten Beamten in den Ämtern, Lehrern  in den Schulen. Und als Hunderte von Syrern und andere nach Lemgo kamen vor 3 Jahren, da haben die Stadt und der Bürgermeister das hervorragend angepackt und alle haben mitgeholfen. Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk und die ganze Verwaltung. Und Hunderte Ehrenamtliche haben sich gemeldet, haben Sprachunterricht gegeben, Patenschaften übernommen, beraten und helfen bis heute. Es läuft mit der Integration, auch wenn es ein Langstreckenlauf ist. Bleiben wir mal auf dem Teppich und dem Boden der Gesetze. 

Und lasst uns Steuern zahlen! Gern! Und pflichtbewusst. Es ist großartig, dass wir dazu beitragen können, das es Straßen gibt und Polzisten und Lehrer. Ich will nicht alles geschenkt bekommen, ich habe doch auch meinen Stolz! Und es kommt auf jeden an. Nicht: Sich klammheimlich der Pflicht entziehen und denken: Die anderen machen das schon. Nein! Seinen Beitrag leisten. Auch bei der Kirchsteuer! Natürlich! Das muss doch auch bezahlt werden, dass Pastoren in der Bibel lesen und sich Gedanken machen und weitersagt, was die Bibel zu sagen hat. Von der Kanzel und auf allen andere Kanälen.

Vor 80 Jahren im November 1938 war Hitler an der Regierung. Da gab es am 9. November ein Treffen der Führer der SS und der SA, bewaffnete Truppen neben der Polizei. Es geschah alles ohne offizielle Befehle, es gab keine schriftliche Anweisungen oder Protokolle. Ohne Ordnung war das. Oder eine geheime bösartige zerstörerische Ordnung. Hitler sprach sich mit Göbbels ab, dem Propagandaminister und  verschwand. Dann hielt Göbbels eine Rede. Über die Juden, die eine Gefahr für das deutsche Volk seinen. Aber das Volk werde sich schon wehren. Der spontane Volkszorn werde sich über sie ergießen. Nichts war spontan. Es gab keinen offiziellen Befehl. Aber die versammelten Anführer von SS und SA verstanden die Botschaft. Am selben Tag benachrichtigten sie die ihre Unterführer bis hinunter zu den Ortsgruppen. Dass in dieser Nacht vom 9. November die Juden ausgeliefert waren.  Der Schutz des Gesetzes, der Polizei, der Feuerwehr galt für sie nicht mehr. Und dann zogen sie los in jeder Stadt und jedem Dorf. SA und SS, Bürgermeister und Parteifunktionäre und Leute von nebenan. Keine angereisten Schlägertrupps, sondern Bürger. Mancherorts wurden Kinder  und Jugendliche von ihren Lehren gerufen und angeführt.  Fensterscheiben einschlagen, Wohnungen und Geschäfte verwüsten, verstörte Menschen bedrohen, im Nachthemd durch die Straßen jagen.

Da hat die Obrigkeit ihren Auftrag von Gott verraten und ins Gegenteil verkehrt. Sie sollten Ordnung halten und sie haben Unordnung und Zerstörung entfesselt. Sie sollten das Böse in Schach halten und bestrafen, aber sie haben dazu aufgerufen und selbst durchgeführt. Sie sollten Menschen, Menschenwürde, Eigentum schützen und haben sie mit Füßen getreten.  Sie haben sich als Obrigkeit selbst gegen Gott aufgelehnt. Es steckt in den Menschen, das Chaos, die Bereitschaft, sich aufstacheln zu lassen, grausam zu sein, die Menschlichkeit abzustreifen. Dass sie keine Untertanen mehr sein wollen, dem Gesetz nicht gehorchen. Anderen mal eine rein hauen, aber so richtig. Das kann jederzeit wieder passieren. Das passiert, wenn die Obrigkeit ihren göttlichen Auftrag verrät, sich Gott widersetzt.

Das kann aber nicht passieren, wenn Obrigkeit ihrem Auftrag treu bleibt. Deshalb der Amtseid „So wahr mir Gott helfe!“ Das soll die Amtsträger erinnern, dass sie Gott selbst verantwortlich sind, dass sie nicht mit Willkür und Unrecht herrschen dürfen. Das kann nicht passieren, wenn Polizisten Polizisten bleiben und jeden Menschen schützen vor Gewalt. Das kann nicht passieren, wenn Feuerwehrleute Feuerwehrleute bleiben und  jedes brennende Haus löschen und nicht nur Häuser neben der brennenden Synagoge wässern. Das kann nicht passieren, wenn Ärzte Ärzte bleiben und Menschen heilen und sich weigern, Häftlingen Dreck in die Wunden zu reiben. Wen sie sich weigern, Menschen auszusortieren für die Gaskammer. Das kann nicht passieren, wenn die Gesetze die Menschen schützen und eingehalten werden. Wenn die Regierung dafür sorgt, dann gedeiht ein Land. Die Nacht vom 9. November 1938 war der Anfang vom Untergang. Die Regierung  hat das ganze Land ins Chaos gestürzt. Am Ende waren nicht nur die jüdischen Geschäfte in Trümmer, sondern das ganze Land. Am Ende waren die Juden tot, sondern Millionen andere auch. Unsere Väter und Großväter, Großmütter, Geschwister.  Wir brauchen heute die Ermahnung des Paulus. Jedermann sei untertan der Obrigkeit. Jeder halte sich halte sich an Recht und Gesetz, an Anstand und Menschen würde. Auch alle, die regieren oder es anstreben.

In Lummerland ist es nicht so idyllisch geblieben wie am Anfang. Eines Tages brachte der Postbote ein Paket mit einem kleinen schwarzen Baby. Und mit den dunkelhäutigen Fremden kamen die Probleme auch nach Lummerland. Frau Waas reagiert menschlich mütterlich. Sie nimmt das Kind an, den Jim Knopf. Lukas nimmt ihn in der Lokomotive mit. Aber der König macht sich Sorgen: Die Insel ist zu klein für einen weiteren Untertan. Kein Platz, noch ein Haus zu bauen, wenn er groß ist. Schließlich machen sich Lukas und Jim den Weg über das Meer, wandern aus in der Hoffnung, irgendwo anders leben zu können. Sie besiegen den bösen Drachen Frau Malzahn, beenden seine Schreckensherrschaft. Befreien die Tochter des Kaisers von China, Prinzessin LiSi und kehren zurück nach Lummerland. Wie durch ein Wunder taucht aus dem Meer das versunkene Land des Königs Jim auf gleich neben Lummerland – genug Platz zum Leben. Sie sind menschlich geblieben, treu, haben das Böse besiegt. Wo das geschieht, taucht neues Land auf, es ist genug für alle zum Leben da. Mit Gottes Hilfe ist das möglich, möchte ich sagen, auch wenn das nicht im Buch von Michal Ende steht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

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