Ein Leserbrief an die Lippische Landeszeitung

Die Lippische Landeszeitung hat über Enttäuschung über einen lippischen Pfarrer geschrieben und das mit der Zahl der Kirchenaustritte in Verbindung gebracht. Pastor Matthias Altevogt hat geantwortet: 

Sehr geehrter Herr Kamisli,

Ihre Reihe „Kamisli kümmert sich“ lese ich immer gern. Nun möchte ich selbst einmal um Ihre Hilfe bitten. Ich bin evangelischer Pastor und sehr enttäuscht von der Lippischen Landeszeitung.  Sie hat vorgestern über eine Dame geschrieben, die sich über einen Kollegen geärgert hat und deshalb ausgetreten ist. Mir geht es darum: Die Zeitung hat zu dem Artikel ein großes Foto von einer leeren Kirche gedruckt und eine Statistik über Kirchenaustritte. Das hat mich verletzt und aufgeregt. Auf mich wirkt das wie die Aussage: Die Kirche tut nichts für die Menschen, deshalb geht keiner mehr hin und immer mehr treten aus. Das kann man aus diesem einzelnen Vorfall doch gar nicht ableiten!

Ich habe überlegt, mein Abonnement zu kündigen und Ihnen das Kündigungschreiben zu schicken. Das hätten sie denen von der Zeitung mal unter die Nase halten können! Aber es wäre nicht das Wahre, wenn wegen eines Streits gleich alle aus der Kirche austreten oder wenn wegen eines unfairen Artikels alle das Abo kündigen. Stellen Sie sich das mal vor! Besser man setzt sich zusammen, anstatt das Tischtuch zu zerschneiden.

Tatsächlich ist es anders. Hunderte und Tausende gehen jede Woche in die Kirche, in Chöre und Gruppen, engagieren sich ehrenamtlich. Pastoren begleiten im Stillen Menschen seelsorglich. Die sind jetzt alle vors Schienbein getreten.

Es ist unfair: In der Zeitungsredaktion gibt es auch Zeiten, wo keiner da ist. Wenn ich morgens um 9 da anrufe, heißt es: Die Redakteure kommen später. Wenn ich nun überall erzählen würde: Da arbeitet keiner!? So geht’s doch nicht! Ich sag mir dann lieber: Ok! Rufe ich eben um 11 noch mal an. Ohne Kompromisse kommt man nicht zueinander.

Wenn Sie es einrichten können, kommen Sie mal kommenden Sonntag um 10 Uhr bei uns die St.-Marien-Kirche in Lemgo: Da ist ein klasse Jugendchor, mit denen unser Kirchenmusiker eine Woche auf Juist war und Urlaub mit Singen für sie auf die Beine gestellt hat. Ein Hochschulrektor, der ehrenamtlich in der lippischen Synode ist und für uns die Predigt hält. Und volle Bänke. Das könnten Sie dann mal denen von der Zeitung berichten. Faktencheck!
Davon sollen die mal schreiben. Sind sie dazu nicht sogar verpflichtet? Gegendarstellung heißt das, glaube ich. Vielleicht erreichen Sie ja etwas. Würde mich freuen!

Besten Gruß, Matthias Altevogt

Kommentare:

  1. Ein sehr sachlicher und richtiger Leserbrief, welcher dem Thema eine vernünftige Darstellung gibt.
    Bitte weiter so; herzlichen Dank an Matthias Altevorgt.

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